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Das 1863 gegründete
und L-förmig angelegte Kaufhaus S. Adam stand an der südwestlichen
Ecke von Leipziger Straße und Friedrichstraße, mitten
in Berlins beliebtesten Geschäftsbezirk. Im Jahr 1928 bat das
Unternehmen mehrere Architekten, Vorschläge für ein Hochhaus
zu erarbeiten, das den bestehenden Bau ersetzen sollte.
Wenngleich der
Wettbewerb nicht offiziell war, lassen die Akten darauf schließen,
dass sich mindestens vier Architekturbüros daran beteiligten:
Peter Behrens, Mies, Hans Poelzig und Heinrich Straumet und höchstwahrscheinlich
auch die Bürogemeinschaft von Arthur Korn und Siegfried Weitzmann.
Das Unternehmen Adam ließ den Architekten mitteilen, dass
"ihrer Geschmacksrichtung" am ehesten ein Bau vertikaler
Gliederung entspricht. Behrens und Straumer erfüllten den Wunsch,
indem sie regelmäßig angeordnete, vertikale Fensterpfosten
verwendeten. Durch eine Abfolge von Rücksprüngen betonte
auch Poelzig die Vertikale. Mies lehnte als einziger diese Klausel
ab und erklärte, "dass ein Bau nichts mit Geschmacksrichtungen
zu tun hat, sondern das logische Resultat all der Forderungen sein
muss, die sich aus seinem Verwendungszweck ergeben.". Und die
Hauptfunktionen des Gebäudes seien nun mal Ausstellung und
Reklame.
Mies schlug
deshalb einen achtgeschossigen, rechteckigen Block vor mit einer
subtil gerundeten Ecke an der Straßenkreuzung und einem Rücksprung
im obersten Stockwerk. Das Gebäude sollte von einem vermutlich
metallenen Tragrahmen gestützt werden, der offene Innenräume
ohne feststehende Stützwände und vollständig aus
Glas bestehende Außenwände ermöglichte. Im Erdgeschoss
sollten diese Glaswände transparent sein und so hinter Stützpfeiler
zurückgesetzt werden, dass Passanten hier einen überdachten
Fußweg nutzen können. Die übrige Fassade sollte
aus opakem Glas bestehen, auf der Reklame angebracht werden sollte.
Im Jahr 1929
verkündete Georg Adam, einer der Mitbesitzer des Kaufhauses:
"Breite Fensterscheiben mit wenig Stützen dazwischen,
Licht und Luft, das erwarten Geschäftsleute von Architekten."
Ungeachtet dieser Zusage an den Miesschen Entwurfs wurde der Wettbewerb
allerdings ohne die Bekanntgabe eines Gewinners eingestellt. Nach
einem antisemitischen Anschlag im Jahre 1933 schloss die Firma Adam
ihr Kaufhaus. Das Gebäude wurde abgerissen und durch das Friedrichstadt-Bürogebäude
von Jürgen Bachmann ersetzt.
Aus: Adrian Sudhalter, in Ludwig Mies van der Rohe "Mies in
Berlin. Die Berliner Jahre 1907-1938.", hrsg. Von Terence Riley
und Barry Bergdoll; Prestel (München, London, New York), 2001,
S. 230
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